Kitchennerds Gründerin Sandra Roggow im Interview

„Eine erfolgreiche Gründerin macht für mich aus, dass sie nicht so schnell die Flinte ins Korn wirft.“

Mit nur knapp 15 Prozent Gründerinnenanteil liegt Deutschland noch am unteren Ende der weltweiten Skala. Zwar steigt die Anzahl laut ‘Deutscher Startup Monitor’ von Jahr zu Jahr, dennoch zeigt sich, dass viel Potential ungenutzt bleibt. QVC NEXT möchte Zugang zu Wissen schaffen, Türen zu Handel und Medien öffnen und dabei Gründerinnen ermutigen ihren Gründergeist zum Leben zu erwecken.

Am 4. Dezember reiste unser Team ins vorweihnachtliche Hamburg, um als Partner das Ladies Dinner zu unterstützen, das von Hamburg Startups regelmäßig ausgerichtet wird. Bei diesem besonderen Networking-Event können sich Frauen, die den Schritt ins Unternehmertum bereits gemacht haben, auf Augenhöhe austauschen und ihre Erfahrungen mit anderen Gründerinnen teilen.

Jede Teilnehmerin hatte inspirierende und spannende Geschichten zu erzählen, so auch Sandra Roggow. Sandra betreibt mit Kitchennerds eine erfolgreiche Plattform für Köche. Im Interview spricht sie über ihr Unternehmen und ihre Erfahrungen als Gründerin in der Startup-Welt. Erfahrt von Sandra, was eine erfolgreiche Gründerin ausmacht und welche Tipps sie für das weibliche Unternehmertum hat.

Hallo Sandra, vielen Dank, dass Du Dir Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Bitte stell Dich zu Beginn kurz vor.

Mein Name ist Sandra Roggow, ich bin 38 Jahre alt, gelernte Werbekauffrau, studierte Kommunikationswirtin und  stellvertretende Quartiersleitung der Digital Media Women in Hamburg. 2013 habe ich die Plattform kitchennerds.de gegründet und bin seit kurzem zudem Mitglied im Beirat der Social Media Week 2018.

Was steckt hinter dem Konzept von Kitschennerds?

Bei Kitchennerds kann man sich einen Koch für ein Dinner oder einen Kochkurs zu Hause oder mit der Firma buchen. Auch große Corporate Events sind mit unseren Köchen möglich, die wunderbar als Team miteinander agieren. Wir helfen gerne mit zu planen und zu organisieren. Darüber hinaus vermitteln wir Showköche an werbetreibende Unternehmen zur Produktpräsentation. Ich habe die Kitchennerds GmbH Anfang August 2013 gegründet und bin mit der Plattform nach 1 ½ Jahren Entwicklungszeit Ende September 2014 in Hamburg an den Markt gegangen. Mittlerweile vermitteln wir auch Köche in Berlin und München.

Wie ist die Idee zu Deinem Startup Kitchennerds entstanden und was hat Dich motiviert zu gründen?

Bei Qype habe ich als nebenberufliche Freelancerin zwei Jahre lang die „Qype Live Hamburg“ Gruppe betreut und mich dort um die Community gekümmert, die ich bei Events  zusammen gebracht habe. Das ich viel rumkam und viele Restaurants teste, blieb auch meinen Kollegen und Vorgesetzten im Hauptjob nicht verborgen und so wurde ich immer mal wieder gebeten, ein nettes Restaurant oder sogar einen netten „Privatkoch“ für einen Abend zu organisieren. Bei letzterem fand ich die Recherche eher nicht so einfach. Ich wollte eine Übersicht haben, die es einem erleichtert, den passenden Koch für die geplante Veranstaltung zu finden. Mir fehlten Angaben zum Kochstil, Informationen zum Koch und den Preisen. So kam mir immer stärker der Gedanke meine eigene Lösung zu schaffen. Wie diese genau aussehen könnte, konkretisierte sich dann im Laufe der Zeit.

Das Thema Gründung bzw. Selbständigkeit hatte mich eigentlich schon seit meiner Kindheit begleitet. Vorbilder gab es also genug – auch Frauen. Ich bin als Kind in einem Umfeld aufgewachsen, in dem viele freiberuflich (zumeist als Künstler) tätig waren oder eine eigene Firma mit mehreren Angestellten unterhielten. Ich habe alle für ihren Mut und was sie daraus machten sehr bewundert. Meine Eltern gehörten da eher zu den Ausnahmen, die eine „sichere“ Festanstellung bevorzugten. Auf jeden Fall war für mich irgendwie schon immer klar, dass ich mich auch früher oder später selbständig machen würde. Mein Lebensgefährte (selbst Unternehmer) und die Digital Media Women, bei denen ich mich mit sehr vielen selbständigen Frauen umgab, hatten mir immer Mut gemacht und ebenfalls ihren Teil zu meinem Absprung aus der Festanstellung beigetragen.

Was planst Du für die Zukunft deines Unternehmens?

Aktuell plane ich das Kitchennerds-Angebot in Berlin und München weiter auszubauen und zu etablieren. Ebenfalls werden wir das Showkoch-Angebot erweitern und ergänzende Angebote für werbetreibende Unternehmen erarbeiten. An Ideen und Orten, die wir noch als Markt erschließen möchten, mangelt es also nicht.

Wenn Du auf Deine bisherige Startup-Karriere zurückschaust: Was war bisher Dein größter Erfolg?

Ich freue mich immer sehr, wenn wir die Kunden von unserem Angebot so überzeugen können, dass sie erneut buchen und sich Stammkunden entwickeln, die auf den Geschmack kommen immer mal wieder einen neuen Koch/eine neue Köchin zu buchen und auszuprobieren. Selbst das bisher größte Corporate Event, dass wir planen und durchführen durften, hat sich auf Empfehlung eines begeisterten Kunden ergeben. So haben wir Köche und Servicepersonal für den Neujahrsempfang vom Vorstand eines der bekanntesten deutschen Automobilkonzerne und mehr als 60 VIP-Kunden geplant und organisiert.

Und welches war Dein größter Rückschlag?

Große Rückschläge habe ich zum Glück noch nicht erlebt. Ein paar kleine gab es, wie bei jedem anderen Gründer, natürlich schon. So habe ich zum Beispiel im letzten Sommer für einen großen, lukrativen Auftrag ein Team aus Showköchen organisiert, NDAs von denen unterzeichnen lassen und dann ist am Ende doch noch in letzter Sekunde kurz vor dem endgültigen Vertragsschluss das komplette Projekt geplatzt. Aber auch daran kann man wachsen! Ich habe hier neue Erfahrungen gewonnen und weiß seitdem wie das nun bei Aufträgen mit Firmen aus dem Ausland steuerlich läuft. Da konnte mir die Handelskammer damals auch für künftige Angebote eine gute Auskunft geben, die offenbar nicht so einfach in dem Fall war.

Was glaubst Du, warum es weniger Gründerinnen als Gründer gibt?

Frauen haben in der Regel leider noch ein oft geringeres Einkommen bei gleicher Qualifikation und Position in der freien Wirtschaft als ihre männlichen Kollegen. In Sachen „equal pay“ belegen wir einen wirklich traurigen Platz im europäischen Ranking. So können viele Frauen ein nicht so großes finanzielles Polster ansparen, das für eine Gründung genutzt werden kann.

Frauen sind sehr oft zurückhaltender und vorsichtiger als Männer.

Die Männer in einer meiner letzten Mittagsrunden haben das „evolutionär“ beantwortet, was für mich tatsächlich teilweise nachvollziehbar klang: Frauen packen oft die Dinge lieber erst an, wenn sie sich zu 150 Prozent sicher sind, dass sie es können. Wohingegen Männer es auch schon wagen, wenn sie nur 20 Prozent der Anforderungen beherrschen. Ob was dran ist, weiß ich nicht. Aber eines weiß ich genau: Dies kann und darf kein Grund sein, warum Frauen (auch laut Statistik) deutlich weniger Geld bei Finanzierungsrunden bekommen als Männer mit dem gleichen Konzept und Team! Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es noch nicht genug Angebote gibt, die weibliche Gründerinnen dabei unterstützen. Viele davon sind sogar schlicht unbekannt, was dringend geändert werden muss!

Eine bessere Übersicht entsprechender Angebote in Sachen Finanzierung oder Mentoring und deren deutlichere Kommunikation in den Medien wäre sehr wünschenswert!

Einige Gründerinnen beklagen sich darüber, als Unternehmerinnen nicht ernst genommen zu werden, da die Szene sehr männlich geprägt ist, musstest Du jemals so eine Situation erleben?

Ich persönlich kann bisher nicht diese Erfahrung teilen. Vielleicht hatte ich bisher Glück, vielleicht blieben mir auch nur entsprechende Reaktionen verborgen bzw. ich habe sie womöglich nicht bemerkt. Bisher habe ich jedenfalls sehr viel Unterstützung von männlichen Kollegen aus meinem beruflichen Umfeld erhalten, die ich sehr zu schätzen weiß.

Was macht eine erfolgreiche Gründerin für Dich aus?

Ich denke, dass man als Gründerin auf jeden Fall mit fachlichem Know-How, sehr viel Kreativität, Herzblut für sein Produkt, Biss, Durchhaltevermögen und gutem Netzwerk, sehr gute Voraussetzungen erfüllt, um als Gründerin erfolgreich zu sein. Wenn man sich durch Rückschläge nicht einschüchtern lässt und diese als Chance begreift daran zu wachsen und daraus zu lernen, kann man nur gewinnen! Eine erfolgreiche Gründerin macht für mich daher aus, dass sie nicht so schnell die Flinte ins Korn wirft, viel aushält und auch mal stolz auf das von ihr Geschaffene zurückblickt. Erfolg sollte sich dabei nicht nur in Zahlen messen lassen, es soll auch so sein, dass man selbst auf sich stolz sein kann und erkennt, was man bereits (auch im Kleinen) geschafft hat – Etwas von dem man vor der Gründung ggf. nicht gewagt hat zu träumen.

Gab es Begegnungen, Veranstaltungen oder Institutionen, die Dir als Gründerin weitergeholfen haben?

Es gab einige inspirierende Begegnungen mit Gründern (auch von mittlerweile etablierten Unternehmen), die mich nachhaltig beeindruckt haben. Auch treffe ich mich sehr gerne mit anderen Gründern zum Austausch, um miteinander und voneinander zu lernen. So konnte ich umgekehrt auch schon anderen Startups durch wichtige Empfehlungen weiterhelfen. Wenn es die Zeit erlaubt, besuche ich sehr gerne Netzwerk-Events um mit anderen Gründerinnen und Gründern in Kontakt zu kommen. Manchmal trifft man da auf Menschen mit denen man gemeinsame Synergien entdeckt und so durch gemeinsame Kooperation gegenseitig voneinander profitiert. Während der Gründung von Kitchennerds war übrigens die Handelskammer und die dort ansässige Commerzbibliothek mit dem angrenzenden Gründerzentrum eine Institution, die mir sehr weitergeholfen hat. Hier habe ich meinen Businessplan geschrieben und alle Materialien gefunden sowie alle Ansprechpartner vor Ort gehabt, die mir in dieser Phase sehr geholfen haben.

Welche Tipps möchtest Du jungen Nachwuchsgründern mit auf den Weg geben?

Meine Tipps für angehende Gründer sind: ein gutes Netzwerk aufzubauen, Leute zum Skill Swap sowie aktivem Coworking zu suchen sowie sich nach guten Kooperationspartnern umzuschauen. Coworking-Spaces und Events in der lokalen Gründerszene helfen, entsprechende Partner zu finden. Generell ist es sehr zu empfehlen sich regelmäßig mit anderen Gründerinnen und Gründern auszutauschen, um miteinander voneinander zu lernen.

2017-12-14T10:08:13+00:00